VoG steht für Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht. Mehr als ein Achtel der Beschäftigung in Ostbelgien ist bei solchen Organisationen angesiedelt. Trotzdem bleibt oft unsichtbar, wie sehr sie unseren Alltag prägen. Die Kampagne „Meine VoG“ soll das ändern – und verbindet überraschende Einblicke in den nicht-kommerziellen Sektor mit einer neuen digitalen Plattform.
Die BISA-Tonne ist geleert, die Tochter vom Abendkurs abgeholt und die Mutter im Krankenhaus besucht. Drei ganz gewöhnliche Stationen eines Tages – und dreimal auf die Leistungen einer VoG zurückgegriffen.
Denn hinter der Abholung der BISA-Tonne, einem Kurs bei der KAP oder der Gesundheitsversorgung stehen Organisationen des nicht-kommerziellen Sektors. Dazu gehören Jugendtreffs, Sportorganisationen, Museen, Pflegedienste, Beratungsstellen, Erwachsenenbildung, Verbraucherschutz, Sozialökonomie, soziale Immobilienagenturen und vieles mehr. VoGs sind überall – oft, ohne dass wir es bemerken.
Eine Branche, so vielfältig wie Ostbelgien
Was diese Organisationen miteinander verbindet, steht bereits im Namen: Sie verfolgen keinen Gewinnzweck. Wofür sie sich einsetzen, kann dagegen höchst unterschiedlich sein. Genau diese Vielfalt macht den nicht-kommerziellen Sektor so besonders – und gleichzeitig schwer greifbar. AnikoS ist der Arbeitgeberverband für den gesamten nicht-kommerziellen Sektor in Ostbelgien. Der AGV329 vertritt speziell Arbeitgeber aus dem soziokulturellen und dem Sportsektor.
Mit der Kampagne „Meine VoG“ wollen beide Verbände deshalb eine einfache Frage beantworten: Was würde fehlen, wenn es diese VoGs nicht gäbe?
Die Antwort zieht sich durch Geschichten, Zahlen und konkrete Beispiele aus dem ostbelgischen Alltag. „Wir möchten zeigen, wie selbstverständlich VoGs zu unserem Leben gehören. Vieles von dem, was Ostbelgien lebenswert macht, wäre ohne sie nicht denkbar. Darum auch unsere Hauptbotschaft: VoGs sind systemrelevant!“, sagt Christophe Ponkalo, Präsident von AnikoS.
Entstanden ist „Meine VoG“ gemeinsam mit dem Sektor. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus verschiedenen Mitgliedsorganisationen begleitete die Entwicklung. Zahlreiche Mitgliedsorganisationen lieferten Zahlen, Beispiele, Fotos und Geschichten aus ihrer täglichen Arbeit. „Diese Vielfalt hätten wir gar nicht alleine abbilden können. Das Heft lebt davon, dass so viele Organisationen gezeigt haben, was sie jeden Tag für Ostbelgien leisten“, sagt Brigitte Cloot, Verwalterin des AGV329.
Durch die Kampagne führt Anika, eine fiktive Ostbelgierin. Sie begegnet VoGs beim Sport, in der Kultur, bei Weiterbildungen oder in der Gesundheitsversorgung – und steht damit stellvertretend für die Menschen, die deren Angebote nutzen, sich dort engagieren oder selbst in einer VoG arbeiten.
Von Anika zur digitalen Lotsin
Zum 1. November wird Anika digital “zum Leben erweckt” und bekommt damit eine zweite Aufgabe. Auf www.meine-vog.be wird sie zur digitalen Lotsin: Mithilfe Künstlicher Intelligenz unterstützt sie Nutzer dabei, Informationen aus der Wissensdatenbank schneller zu finden und diese zusammenzutragen.
Gleichzeitig geht dort die neue digitale Plattform des AGV329 online. Einige Bereiche sind bereits jetzt öffentlich zugänglich, zahlreiche Angebote richten sich jedoch speziell an VoGs mit Personal und an die Mitgliedsorganisationen des Verbandes und gehen am 1. November online.
Herzstück ist ein wachsendes „VoG-Wiki“ mit Informationen rund um Personal, VoG-Management, Finanzierungsmöglichkeiten, und vielen weiteren Themen. Mitglieder können selbst nach Antworten suchen oder ihre Frage direkt an Anika stellen. Wo die Wissensdatenbank nicht weiterhilft oder persönlicher Kontakt gewünscht ist, bleiben die Mitarbeiter des AGV329 über ein integriertes Ticketing-System erreichbar. Auch Weiterbildungen werden über die Plattform gebündelt. Ein eigener, nur für Mitglieder zugänglicher Newsbereich informiert zudem laufend über aktuelle Entwicklungen und Neuigkeiten rund um die PK 329.02. Ein neues Raumportal bringt zudem VoGs zusammen, die Räume suchen oder selbst Räumlichkeiten zur Verfügung stellen möchten.
Angefangen hat alles mit zu vielen Excel-Listen
Die Plattform wurde vollständig intern beim AGV329 konzipiert und aufgebaut. „Angefangen hat das Ganze eigentlich mit dem Wunsch, nicht mehr so viele verschiedene Excel-Listen führen zu müssen. Die Idee war simpel: Daten einmal erfassen und anschließend dort nutzen, wo sie gebraucht werden. Daraus ist dann Schritt für Schritt wesentlich mehr geworden“, erklärt Stefan Braun, Koordinator des AGV329, der die Plattform aufgebaut hat. Damit versucht der Verband, den Bürokratieabbau, den er regelmäßig gegenüber der Politik einfordert, auch im eigenen Haus umzusetzen.
Auch für Journalisten und politische Vertreter bietet meine-vog.be einen eigenen Bereich. Unter „Presse & Politik“ bündeln AGV329 und AnikoS Stellungnahmen,
Gutachten, Memoranden und Positionspapiere zu den Themen, die den Sektor bewegen.
Fertig ist die Plattform damit noch nicht: Geplant sind unter anderem ein Jobportal, ein gemeinsamer Veranstaltungskalender und Online-Weiterbildungen auf Abruf.
Drei Schritte für einen stärkeren Sektor
Kampagne und Plattform stehen nicht für sich allein, sondern sind Teil eines langfristigen Konzepts.
Den ersten Schritt setzte der AGV329 bereits im vergangenen Jahr mit einem “Medien-Bootcamp”. „Uns war wichtig, nicht nur theoretisch über Medienarbeit zu sprechen. Die Teilnehmer sollten direkt mit den Menschen ins Gespräch kommen, die jeden Tag Medien machen“, erklärt Stephanie Schiffer, Referentin für Weiterbildungen beim AGV329, die diese Weiterbildungsreihe geplant und durchgeführt hat. „Für die offene Zusammenarbeit möchten wir uns deshalb nochmals ausdrücklich bedanken.“ Von den ostbelgischen Medienanbietern öffneten GrenzEcho, Radio Contact und BRF ihre Türen.
Mit Schritt zwei, der Kampagne und dem Heft „Meine VoG“, wird dieser Gedanke auf den gesamten nicht-kommerziellen Sektor übertragen: Viele einzelne Geschichten ergeben gemeinsam ein Bild davon, was VoGs gesellschaftlich und wirtschaftlich für Ostbelgien leisten.
Schritt drei schafft mit meine-vog.be die dauerhafte digitale Infrastruktur dahinter – für Wissen, Beratung, Vernetzung und eine stärkere gemeinsame Stimme des Sektors.
Weitere Informationen, die vollständige Broschüre sowie das Portal für Presse und Politik finden Interessierte unter www.meine-vog.be.